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Buchmesse Leipzig 2016

Lesung

von Katharina Wix

Startschuss

Als meine Verlegerin mich fragte, ob ich auf der Leipziger Buchmesse aus meinem Roman toxisch lesen wolle, ging ich noch davon aus, bis zu diesem Punkt einige erste Lesungen vor offiziellem Publikum absolviert zu haben. Da angelte sich mein Alltag meinen Rockzipfel und rief ganz laut »Ätsch!«. So wurde mein Messe-Debüt gleichzeitig mein Lesungs-Debüt und ich erwartete geradezu schmelztiegelartiges Lampenfieber. Da half es auch nicht, dass so ziemlich jeder etwa zwei Wochen vor Termin damit begann, meinen Nervositätsstand zu erfragen. Glücklicherweise hielt mich aber auch hier mein Alltag sehr erfolgreich von der Ausarbeitung aller Horrorszenarien ab, die ich womöglich durchleben könnte. Dazu gehörte zum Beispiel die akribische Ausarbeitung meiner Lesung. Was will ich lesen, was sollte ich lesen und was will das Publikum? Nach unzähligen Runden von Probelesungen am Telefon, im Auto oder vor meinem treuesten Zuhörer – meinem Computer – hatte ich endlich eine Fassung, mit der ich mich vor erlauchtes Publikum trauen konnte. Für die wirklich allererste Lesung lud ich mir dann mein Wohnzimmer mit Freunden, Bekannten und Familie voll.

Oh, Hölle. Da war ich dann plötzlich wirklich nervös.

Testlauf

Mein Heim war voll und ich noch recht entspannt, bis es dann Zeit wurde zur Tat zu schreiten. Ich war mir sicher, dass jeder meine Stimme zittern hören konnte. Jeder die willkürlichen Schlenker bemerkte, die der Text machte, den ich versuchte mit den Augen zu fassen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich im Angesicht so vieler freundlich Gesinnter so nervös werden würde. Dann gab es noch besagten Vorfall mit meiner Dunstabzugshaube, die da so gemächlich vor sich hin brummte, allerdings einige meiner Zuhörer in ihrer gebannten Stille störte. Da musste ich noch aus meinem klischeegepeitschten Ohrensessel (ja, er steht direkt neben dem Kamin) Regienanweisungen zum Abstellen des summenden Ungetüms geben.

Alles in allem war der Probedurchlauf ein voller Erfolg, was ich bemerkte, als ich – immer noch zitternd von Adrenalin – das Feedback und Verbesserungsvorschläge einsammelte. Jetzt noch der Feinschliff und die Leipziger Buchmesse konnte kommen!

Der Countdown hatte sich tagelang abgezeichnet. In Programmheften und auf Infotafeln, schlich mir die Ankündigung der Lesung wie ein Schatten hinterher. Am Samstag verkrümelte ich mich schließlich in mein Hotelzimmer, um in unzähligen Stunden und ebenso vielen Videos, die hoffentlich nie den Weg an die Öffentlichkeit finden, meinen freien Text auswendig zu lernen. Vorlesen war nie mein Problem. Frei sprechen zwar auch nicht, aber im knappen Zeitfenster zarter 30 Minuten hatte ich keinen Raum, mich in wohlklingenden Schwafeleien zu verlieren.

toxisch Lesung auf der Leipziger Buchmesse 2016

Die Lesung

Es waren nur noch wenige Minuten bis zu dem großen Moment, auf den ich monatelang mal mehr und mal weniger intensiv hin gefiebert hatte. Ja, jetzt war ich nervös, allerdings auch nicht ganz so sehr wie ich befürchtet hatte. Nun, eigentlich hatte ich mich sogar auf mehr davon verlassen, um zügig durch mein Skript zu kommen. War wie es war, die gute Vorbereitung und natürlich auch die Tatsache, dass ich nicht alleine vor die Meute treten musste, entspannten ein wenig. Dann dirigierte ich noch meine freiwilligen Kameraleute und zählte die letzten Sekunden, bis meine Vorgängerin ihre Lesung beendet hatte. Showtime!

Meine Verlegerin Ellen Balsewitsch-Oldach und ich schritten durch das gut gefüllte Publikum des Literaturcafés (meine Güte, waren da viele Menschen), noch etwas Technikgefriemel und wir konnten loslegen. Ich war das erste Mal seit meiner Kindheit mit einem Mikrofon konfrontiert, das ein paar Interferenzen mit meinem Lesungsskript erzeugte – Umblättern mit einer Hand war gar nicht so einfach! Irgendwann kippte dann in meinem Kopf der Profiknopf um und es »lief«. Lesen macht Spaß, Vorlesen fast noch mehr, stellte ich fest. Einziger Wermutstropfen war – wie schon befürchtet – die liebe Zeit. Leider war vor schon vor dem atemberaubenden Höhepunkt und etwas fiesen »Cliffhanger« am Ende Schluss. Aber »Die Jagd ist eröffnet!« war definitiv auch ein würdiges Ende für eine tolle Lesung. Mein Publikum honorierte mit lautem Applaus und ich strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Im Anschluss gab es tatsächlich Menschen mit Fragen, die ich natürlich liebend gern beantwortete und mein seltsamstes Erlebnis: das erste Autogramm meines Lebens, das ich natürlich auch gern gab.

Wenn ihr Interesse an der Lesung im Detail habt, findet ihr unten auf dieser Seite einen Link zur Aufnahme auf youtube oder wir sehen uns bald bei einer Lesung in eurer Nähe.

Katharina Wix liest aus ihren Roman toxisch
toxisch Visitenkarten
Die Lesung als Video

Lesung verpasst? Macht nichts! Mit etwas Nachsicht auf die allgemeine Geräuschkulisse des bunten Treibens auf der Buchmesse findet sich hier ein Videomitschnitt der Lesung.